# 10 Die Kirche ist eine riesige Selbsthilfegruppe

Quelle: pixabay.com

Ende Oktober war ich zum „Couchgespräch“ in der Freien evangelischen Gemeinde Böblingen und wurde dort von Pastor Manuel Neeb interviewt. Dabei wurden die folgenden Themen angesprochen: „Was ist eigentlich eine Zwangserkrankung? Was macht diese Krankheit mit Menschen, die aus einem christlichen Elternhaus kommen? Wie kommt es zur Entwicklung einer Alkoholsucht? Welche Vor- und Nachteile hat ein gottloses Leben? Warum fällt es uns in der Kirche oft so schwer, offen und ehrlich über unsere Risse und Sprünge zu sprechen? Was können unsere kirchlichen Kreise von den Anonymen Alkoholikern lernen? Was ist das eigentlich für ein Gott, der Menschen leiden lässt?“ Insgesamt 50 spannende und kurzweilige Minuten!

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# 09 Wenn Lebensentwürfe zerbrechen

Quelle: pixabay.com

Das Scheitern gehört gewissermaßen zu meiner Kernkompetenz – damit kenne ich mich sehr gut aus. Denn ich bin als vorbildlicher Christ, als hauptamtlicher Pastor, als Ehemann und Versorger meiner Familie krachend gescheitert. Alle meine Lebensträume sind an der Alkoholabhängigkeit und einer psychischen Erkrankung zerbrochen. Ich weiß wirklich, wie elend sich das Scheitern anfühlt. Dennoch fand ich es überhaupt nicht richtig, als ich zum ersten Mal angefragt wurde, über mein „Scheitern“ zu sprechen. Denn damals war ich noch voller Scham und hatte meinen Zusammenbruch noch nicht verarbeitet. Heute – zehn Jahre und einige Erfahrungen später – spreche ich gerne darüber. Denn ich bin der Überzeugung, dass unser Scheitern – so schmerzlich es auch ist – immer auch die Chance auf Veränderung und auf einen Neuanfang sein kann. Wenn man es denn richtig verarbeitet und nicht davor flieht.

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#08 Zwangsgedanken: Hölle im Kopf

Foto: Johannes Fenn (www.fennomenal.de)

„Was sind eigentlich Zwangsgedanken und wie leiden die Betroffenen darunter? Gibt es einen Weg, damit fertig zu werden? Wie sieht dieser Weg aus? Was macht so eine Erkrankung mit dem eigenen Glauben?“
In einem Interview beim Evangeliumsrundfunk in Wetzlar (ERF Plus) beantworte ich diese und andere Fragen.

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Outtakes, Teil II: Borreliose der Seele

Hier noch ein Text, den ich aus dem Buchmanuskript gestrichen habe, da er an anderer Stelle hinreichend aufgenommen und erklärt wird:

„Borreliose der Seele

Diese Kapitel zu schreiben, hat mir eine Menge abverlangt. Und das nicht nur, weil die hier beschriebenen Gedanken und Handlungen so abgefahren und peinlich sind, sondern vor allem auch darum, weil die alten Gespenster meine Erinnerungen und Beschreibungen zum Anlass genommen haben, um erneut bei mir anzuklopfen. Darauf war ich nicht vorbereitet! Selbst die während meiner Psychotherapie erlernten Bewältigungsstrategien schienen auf einmal nicht mehr zu greifen. Eine Zeit lang hat mich das so fertig gemacht, dass ich mir von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Liste mit freien Therapieplätzen besorgt habe. Die Angst vor der Angst kroch erneut in mir hoch: „Würde mich dieses Buchprojekt am Ende doch noch in den Wahnsinn treiben?“

Inzwischen bin ich wieder recht stabil, aber die letzten Wochen waren doch sehr intensiv und heftig für mich. Umso mehr hoffe ich natürlich, dass sich diese Mühe auch lohnt. Das wäre aus meiner Sicht schon dann der Fall, wenn ich ein wenig dazu beitragen könnte, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren und den Umgang mit den Betroffenen etwas zu entkrampfen.

Stellen Sie sich vor, jemand aus Ihrem Bekanntenkreis wurde von einer Zecke gebissen und erkrankt darauf hin an Borreliose. Da er bereits Lähmungserscheinungen hat, muss er sofort ins Krankenhaus, um dort behandelt und beobachtet zu werden. Wie reagieren Sie? Sie schnappen sich einen Blumenstrauß oder eine Tafel Schokolade und machen sich auf den Weg, um sie oder ihn zu besuchen. Ist doch eine Selbstverständlichkeit! Was aber, wenn die selbe Person aufgrund einer Bipolaren Störung in eine entsprechende Fachklinik muss? Werden Sie sich dann auch auf den Weg machen? Vermutlich eher nicht. Denn schon der Gedanke an eine Psychiatrische Klinik ist beunruhigend und verstörend. Wer geht schon gerne freiwillig in die „Klapse“? Und worüber sollten Sie dort reden? Darf man eine solche Krankheit überhaupt ansprechen? Und falls man sie anspricht, wie macht man das, ohne sein Gegenüber zu verletzen?

Die Begegnung und der Umgang mit psychisch Kranken ist für viele von uns schwierig – und ich kann das gut verstehen. Denn eine solche Erkrankung ist nicht so leicht zu greifen und oft auch nur schwer zu vermitteln. Bei einem Beinbruch weiß man wenigstens, woran man ist. Bei einer psychischen Erkrankung, wie zum Beispiel einer Depression, ist das viel schwieriger. Da gibt es eine Menge Fragen und auch manche Vorurteile: „Wie soll man einen Menschen verstehen, der einfach nicht aus dem Quark kommt? Ist so etwas denn wirklich eine Krankheit? Bräuchte er oder sie nicht einfach einen kräftigen Tritt in den Hintern, um wieder in die Spur zu kommen? Hat nicht jeder von uns mal irgendwann einen Durchhänger? So etwas geht doch wieder vorbei, da muss man doch nicht gleich zum Arzt rennen und Pillen schlucken, oder? Wie ist das überhaupt mit diesen Medikamenten gegen eine Depression: Wie und warum wirken die eigentlich? Oder wirken die vielleicht gar nicht und der Patient bildet sich das alles nur ein?“ Hier gibt es noch immer eine Menge Aufklärungsbedarf.

Um psychische Erkrankungen besser verstehen zu können, musste man sich früher durch trockene und schwer verständliche Fachbücher quälen. Doch das ist längst nicht mehr der Fall. So ist das beste Buch über Depressionen, das ich kenne, ein Bilderbuch: ein Bilderbuch für Erwachsene, das von einem Betroffenen gezeichnet und geschrieben wurde1. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine Einführung in die verschiedenen Krankheitsbilder und ihre Therapiemöglichkeiten, die mit so viel Humor und Leidenschaft geschrieben ist, dass man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte2. Es ist also heute sehr viel einfacher geworden, sich zu informieren.

Doch mehr noch als durch tausend Bücher lernen Sie durch die Begegnung und das Gespräch mit Betroffenen. Darum möchte ich Sie hier ermutigen, Ihre Scheu zu überwinden und Ihre psychisch erkrankten Freunde oder Bekannten so zu behandeln, als hätten sie eine Borreliose, eine Borreliose der Seele. Bitte gehen Sie nicht auf Distanz, sondern wenden Sie sich ihnen zu! Sie werden dadurch eine Menge lernen. Und für die Betroffenen ist ihre Nähe und Anteilnahme von unschätzbarem Wert. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.“

1Matthew Johnstone: „Mein schwarzer Hund: Wie ich meine Depression an die Leine legte“

2Manfred Lütz: „Irre! – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen“

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Outtakes, Teil I: Bad Herrenalb

Aus dem ursprünglichen Manuskript meines Buches habe ich einige Passagen gestrichen, da sie zum Verstehen meiner Biografie nicht zwingend notwendig waren und das Buch auch kürzer werden musste. Einige dieser Outtakes sind vielleicht aber dennoch interessant zu lesen. Darum hier zwei Erlebnisse aus meiner Zeit in der Klinik von Bad Herrenalb.

Einige Tage nach meiner Ankunft war ich auf dem Weg zu unserer Kerngruppe, als mir plötzlich schwindelig wurde. Zugleich fing mein Herz wie wild an zu rasen und ich bekam keine Luft mehr. Sofort stieg Panik in mir auf, was die Symptome leider nur noch verschlimmerte. Also lief ich nach draußen an die frische Luft. Dort habe ich mich dann in eine Ecke gekauert und hatte Todesangst. Ich dachte wirklich: „Jetzt ist es aus!“ Doch nach ein paar Minuten war ich immer noch am Leben und beruhigte mich langsam wieder. Deutlich verspätet kam ich dann in unserer Gruppe an und erzählte, was passiert war. Worauf mir Bernd, unser Therapeut erklärte, solche Panikattacken könnten im Laufe des therapeutischen Prozesses immer wieder mal vorkommen, sie seien aber nicht lebensbedrohlich. Am Besten sollte ich nicht versuchen, mich dagegen zu wehren, sondern mich darauf konzentrieren, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Das ganze würde dann von alleine wieder verschwinden. Ich war tierisch sauer auf Bernd. Vor allem darauf, dass er so tat, als sei so etwas völlig normal und weiter kein Grund zur Aufregung. Am liebsten hätte ich ihn angebrüllt: „Weißt du eigentlich wie beschissen sich das anfühlt? Ich habe gerade gedacht, ich krepiere. Und was machst du? Du sagst mir, ich soll mich nicht weiter aufregen. Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein!“ Stattdessen aber habe ich überhaupt nichts gemacht: Weder gebrüllt noch irgendeinen Kommentar abgegeben. Schließlich wollte ich ja keinen Ärger mit meinem Therapeuten, also habe ich meine Wut wieder einmal runter geschluckt. Erst später habe ich begriffen, dass er froh gewesen wäre, wenn ich ihn angemotzt hätte. Er hatte dies geradezu provoziert, um mich aus der Reserve zu locken. Solche Panikattacken blieben aber nicht das einzige seltsame Phänomen, womit ich fertig werden musste. Drei Wochen später wurde es noch viel verrückter und bedrohlicher, denn da habe ich mich komplett weggebeamt…

Quelle: schwarzwaelder-bote.de

Mir wurde klar: Nicht alleine den Menschen in meinem Umfeld galt es zu vertrauen, sondern ebenso mir selbst. Ich war ja längst nicht mehr das arme, kleine, verlassene Baby, das hilflos in seinem Bettchen liegt und schreit. Inzwischen war ich ohne jeden Zweifel ein erwachsener Mann geworden, der schon viel erlebt und manche Herausforderung gemeistert hatte. Ich war jemand und konnte etwas – ich musste nur endlich an mich glauben. Was mir fehlte, war das Vertrauen in meine eigenen Ressourcen und Fähigkeiten. Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr ärgerte ich mich über die zahlreichen vertanen Chancen in meinem Leben. Ich hatte kaum mal etwas gewagt und dementsprechend wenig gewonnen. Ich war der Typ, der immer auf Nummer sicher geht. Und das nervte mich inzwischen ganz gewaltig: „War es nicht höchste Zeit, mal wieder etwas ziemlich Abgefahrenes zu machen?“ Nur was? Nach ein paar Tagen kam ich schließlich darauf. Mein Zimmer lag im Erdgeschoss und hatte einen Balkon zur Straße hin. Die Hausfront der Klinik war mit seltsamen Steinen verziert, die innen ein Loch hatten. Hässlich, aber ideal, um daran hochzusteigen! Dieser Plan war die perfekte Mutprobe. Also habe ich am Abend Marcel aus dem fünften Stock angesprochen: „Pass mal auf, Marcel. Wenn es demnächst nachts an deine Balkontür klopft, dann krieg bitte keinen Herzinfarkt. Ich will unsere Hauswand hochklettern und irgendwo muss ich ja schließlich wieder rein, wenn ich oben bin.“ Dann kam die Nacht, in der ich wusste: „Jetzt oder nie!“ Als ich draußen an der Fassade hing und gerade am dritten Stockwerk angekommen war, spazierten unten doch tatsächlich Passanten vorbei. Und das nachts um 1.00 Uhr in so einem kleinen Kaff wie Bad Herrenalb. Da unsere Klinik sowieso schon als „Irrenhaus“ verschrien war, würden die vermutlich sofort die Feuerwehr alarmieren, wenn sie mich entdeckten. Aber das haben sie nicht. So kam ich schließlich ohne Probleme oben an, klopfte bei Marcel und war stolz wie Oskar, es geschafft zu haben. Ich war jemand und konnte etwas – wer oder was sollte mich jetzt noch aufhalten auf meinem Weg nach oben?

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Die Mär vom lieben Gott – eine Predigtreihe über den Zorn Gottes

Der „liebe Gott“ ist eine teuflische Erfindung.

Denn einen solchen Gott müssen wir nicht ehren und nicht fürchten.

Vor dem „lieben Gott“ müssen wir uns nicht verantworten, wir fallen nicht auf die Knie vor ihm.

Wenn Gott, der „liebe Gott“ ist, dann können wir einfach so bleiben, wie wir sind.

Und das mit dem Himmel, das kriegen wir dann schon irgendwie hin…

Eine Predigtreihe über den ZORN GOTTES, die mir selber schwer zu schaffen macht, die aber – so sehe ich das derzeit – dem biblischen Zeugnis entspricht:

Die Mär vom lieben Gott_Teil I_Gott ist ein heiliger Gott

Die Mär vom lieben Gott_Teil II_Gottes geheimnisvoller, leidenschaftlicher und eifersüchtiger Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil III_Gottes vernichtender Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil IV_Gottes richtender und begrenzter Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil V_Gottesfurcht

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# 07 Immer rein damit?

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Psychopharmaka

Sie werden geschluckt ohne Ende und die Pharmaindustrie verdient mit ihnen Millionenbeträge: Psychopharmaka. Manche von ihnen sind wirklich ein Segen, sie bringen eine Linderung der Symptome, die sonst nicht möglich wäre. Andere wiederum verschlimmern die Lage des Patienten indem sie neue Symptome hervorrufen und seine Lebenssituation aufgrund der Nebenwirkungen deutlich verschlechtern. Was also sind diese Tabletten: Segen oder Fluch? Oder sind sie beides zugleich? Hier meine persönliche Auswertung aufgrund der Tabletten, die ich in den letzten Jahren geschluckt habe.

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# 06 Ehrlichkeit riskieren

Ist Ehrlichkeit in freikirchlichen Kreisen eine Selbstverständlichkeit? Wohl eher nicht, denn Gemeinschaften, in denen ein hoher Anspruch herrscht, fördern die Unehrlichkeit, das Fassadentum. Und so laufen viele von uns mit frommen Masken herum. In dieser Episode geht es darum, den Ursachen für frommes Fassadentum auf die Spur zu kommen und zugleich einen Weg aufzuzeigen, auf dem es gelingen kann, die Masken abzulegen.

Bevor Du Dir den Podcast anhörst, solltest Du Dir dieses fantastische Video anschauen, auf das ich gleich zu Anfang Bezug nehme:

„This is me!“

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