Alles Gute kommt von oben!

Es gibt einen Glauben, den ich Glauben „von unten“ nenne. Dieser Glaube ist nichts anderes als ein menschlicher Entschluss. So wie man sich dafür entscheidet, vegetarisch zu leben – und seine guten Gründe dafür hat – so entscheidet man sich eines Tages dafür, sich der Gemeinschaft der christlich Glaubenden anzuschließen. Und man lebt dementsprechend: tritt der Kirche bei, besucht regelmäßig die Gottesdienste, engagiert sich ehrenamtlich, spendet Geld.

Die Entscheidung, ab heute christlich zu glauben, kann aus ganz unterschiedlichen Motiven getroffen werden. Männer tun dies manchmal, wenn sie sich in eine Frau verliebt haben, die christlich glaubt. Frauen tun dies, weil sie eine Gemeinschaft von Christinnen kennen gelernt haben, in der sie sich wohl fühlen. Rationale Menschen entscheiden sich für den christlichen Glauben, wenn sie zu der Erkenntnis kommen, dass die Argumente dafür einleuchtend sind. Emotionale Typen entscheiden sich für diesen Glauben, weil sie an irgendetwas glauben wollen und das Christliche ihnen nun einmal am Nächsten liegt. Menschen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstruktur lassen sich leicht zum christlichen Glauben überreden – schließlich wollen sie niemanden enttäuschen und so trauen sie sich nicht, „nein“ dazu zu sagen.

All diesen Beispielen ist eines gemeinsam: Es handelt sich hier jeweils um einen Glauben von unten. Wobei ich mit der Bezeichnung „von unten“ in diesem Zusammenhang keineswegs ausdrücken will, dass er dämonischen Ursprungs ist. Darum geht es hier nicht! Es geht schlicht um die Tatsache, dass dieser Glaube ein rein menschliches Werk ist, das ohne jede göttliche Einwirkung auskommt.

Der Apostel Paulus erwähnt in seinem Brief an die Korinther einen solchen Glauben von unten; einen Glauben, der nicht auf göttlicher Kraft, sondern auf Menschenweisheit beruht. In Bezug auf seine christliche Verkündigung schreibt Paulus (1. Korinther 2, 4-5): „Mein Wort und meine Botschaft wirkten nicht durch Tiefsinn und Überredungskunst, sondern weil Gottes Geist sich darin mächtig erwies. Euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf die Kraft Gottes.“

Am Glauben von unten ist nun wahrlich nichts Verwerfliches. Er kann aus fiesen Kerlen bessere Menschen machen und vermittelt Hoffnung, wo bislang alles hoffnungslos erschien. Gab es vor Jahren eine Zeit, in der man munkelte, dass der christliche Glaube krank machen könne, so ist heute allgemein anerkannt: Es ist gut, wenn der Mensch glaubt. An etwas zu glauben wirkt sich (in der Regel) positiv auf die Psychohygiene aus.

Und so ist der christliche Glaube, der von unten kommt, sicherlich besser als gar kein Glaube. Dennoch ist er nicht das Eigentliche.

Denn ihm gegenüber steht der Glaube, der von oben kommt. Bei ihm handelt es sich um eine göttliche Offenbarung. Also um einen Glauben, der „von oben“ geschenkt wird durch den Heiligen Geist. Jesus spricht davon in seiner Unterredung mit Nikodemus: „Amen, ich versichere dir: Nur wer von oben her (griechisch: „anoten“) geboren wird, kann Gottes neue Welt zu sehen bekommen“ (Johannes 3, Vers 3). Ein solcher Glaube ist nicht das Ergebnis menschlicher Überredungskunst, sondern gründet sich auf die Kraft Gottes. Er ist die Folge einer göttlichen Einwirkung: Der Heilige Geist öffnet dir die „Augen des Herzens“ und du erkennst, dass das Evangelium wahr und Christus real ist: Jesus Christus lebt, er ist für dich gestorben und auferstanden. Du kannst ihm dein Leben anvertrauen.

Um es mit einem Bild zu vergleichen: Es ist wie mit einem wunderschönen Kirchenfenster. Bislang hast du dieses Fenster stets von außen betrachtet. Du hast zwar etwas sehen können, aber das, was du gesehen hast, war nicht das Eigentliche. Die Pracht der Farben blieb dir verborgen. Nun aber, durch die Offenbarung Gottes, wird dir eine neue Perspektive geschenkt. Der Heilige Geist hat dich von außen in das Innere der Kirche versetzt und jetzt kommst du aus dem Staunen nicht mehr heraus: Das alles hattest du bislang nicht sehen können. Jetzt aber, von innen betrachtet, erstrahlt das Fenster in den herrlichsten Farben.

In dem genannten Beispiel ist der Mensch natürlich jederzeit in der Lage, diesen Perspektivwechsel selbst herbei zu führen (es sei denn, die Kirche ist wieder einmal abgeschlossen). Doch in der Welt des Glaubens geht das nicht. Der Mensch ist diesbezüglich vollkommen machtlos, er kann sich selbst nicht zum Glaubenden machen. Er braucht Offenbarung. Darum ist der christliche Glaube ein Geschenk (vgl. Philipper 1, 29), und zwar ein Geschenk von oben. Im Jakobusbrief heißt es (Jakobus 1, 17-18): „Lauter gute Gaben, nur vollkommene Gaben kommen von oben („anoten“), von dem Schöpfer der Gestirne. … Aus seinem freien Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die Gute Nachricht, ein neues Leben geschenkt.“

Nun ließe sich hier einwenden: „Man darf den Glauben von unten und den von oben auf diese Art und Weise nicht gegenüber stellen. Man darf sie nicht gegeneinander ausspielen. Denn in Wahrheit handelt es sich nicht um Alternativen, sondern um ein- und denselben Glauben, der nun einmal zwei Seiten hat: eine menschliche und eine göttliche Seite.“

Doch fallen diese beiden Seiten zwingend zusammen? Sind der menschliche und der göttliche Glaube wirklich immer zwei Seiten ein- und derselben Medaille? Nach meiner Überzeugung sind sie es nicht. Meine These lautet:

Es gibt einen Glauben von unten, der im Menschlichen stecken bleibt, und diesem Glauben fehlt die göttliche Kraft!

Ja mehr noch: Es gibt auch Gemeinschaften von christlich Glaubenden, denen die göttliche Kraft fehlt. Es gibt Kirchen und Gemeinden von unten, die sich von anderen Institutionen und Vereinen durch nichts unterscheiden. Ihnen fehlt die Weisheit, die von oben kommt, die göttliche Weisheit:

Wenn ihr … bittere Eifersucht und Streit in euren Herzen hegt, dann rühmt euch nicht eurer Weisheit und verdreht damit die Wahrheit! Diese Art von Weisheit kommt nicht von oben (wieder das griechische „anoten“), sie ist irdisch, sinnlich und teuflisch. Wo Eifersucht und Streit herrschen, gibt es Unordnung und jede Art von Gemeinheit. Aber die Weisheit von oben ist zuerst einmal rein und klar; sodann ist sie friedliebend, freundlich, nachgiebig. Sie ist voller Erbarmen und bringt viele gute Taten hervor“ (Jakobus 3, 14-17).

Eifersucht und Streit herrschen nicht nur in der Piratenpartei oder beim FC Schalke 04 (eine zufällige Auswahl), sondern auch in den Freikirchen und Kirchen, die von unten gebaut wurden!

Alleine der Glaube, der von oben kommt

  • vermag das Herz mit göttlicher Freude zu erfüllen,

  • befreit zu einem Leben nach dem Willen Gottes,

  • trägt durch, wenn alle menschlichen Möglichkeiten versagen.

Und alleine die Weisheit, die von oben kommt

  • befähigt, einander in Liebe und Wahrheit zu begegnen,

  • schenkt Gemeinschaft von einzigartiger (göttlicher) Qualität,

  • ermöglicht Liebe und Erbarmen, wo vorher Eifersucht und Streit regierten.

Alles Gute kommt von oben. Kommt es nicht von oben, so ist es nicht gut, zumindest ist es nicht göttlich gut. Es bleibt im Menschlichen stecken und ist somit kraft- und saftlos.

Wenn das stimmt (wovon ich persönlich überzeugt bin), dann will ich all mein Suchen und Sehnen, all mein Bitten und Flehen, all meine Leidenschaft und alle meine Erwartungen nach oben richten! Die Kraftlosigkeit meines Glaubens, der Mangel an Vollmacht, der viele Zoff in den Kirchen (auch in den Freikirchen, die doch so viel besser sein wollen), die ganze lächerliche Armut des sogenannten Christentums in Westeuropa – dies alles kann nur von oben her verändert und erneuert werden: alleine durch ein Eingreifen Gottes, durch seinen Heiligen Geist.

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Zehn teuflische Sekunden

Es waren nur zehn teuflische Sekunden.

Zehn Sekunden im Herzen irgendeines Verkündigers – vor langer, langer Zeit.

Petrus kann es nicht gewesen sein. Denn der ist an seinen frommen Vorsätzen dermaßen gescheitert, dass er für den Rest seines Lebens aus der Gnade gelebt hat. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Nein, Petrus war es nicht. Aber irgendjemand nach ihm.

Vielleicht war es ja einer, der noch nie gescheitert ist. Einer von den Typen, die von Sieg zu Sieg eilen. Solche Menschen neigen dazu zu glauben, ihnen sei alles möglich und die ganze Welt stehe ihnen offen.

Aber das ist nicht sehr wahrscheinlich. Vermutlich handelt es sich einfach um eine teuflische Lüge, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um das Herz eines ernsthaften Predigers zu vergiften. Ich stelle mir das so vor:

Da sitzt er in seinem Studierzimmer und bereitet eine Predigt zu – sagen wir Römer 12, 9 bis 21 – vor. Vers für Vers geht er die dort formulierten Anweisungen durch:

  • Seid herzlich und teilnahmsvoll.
  • Begegnet einander mit Respekt.
  • Lasst euren Alltag vom Gebet geprägt sein.
  • Nehmt Anteil an den Notlagen anderer Menschen.
  • Seid gastfreundlich.
  • Segnet die Menschen, die Euch verfolgen.
  • Seid bereit, auch niedrige Aufgaben zu übernehmen.
  • Zahlt niemandem Böses mit Bosheit zurück.
  • Soweit Euch das möglich ist, lebt mit allen Menschen im Frieden.
  • Übt nicht selbst Rache für Euch aus.
  • Gebt den Hungrigen zu Essen und den Durstigen zu Trinken.
  • Lasst Euch nicht vom Bösen besiegen, sondern besiegt das Böse mit dem Guten.

Er macht sich hier und da Notizen und staunt über die Wucht der göttlichen Standards.

Vielleicht wäre es anders gelaufen, hätte er den kompletten Römerbrief gelesen. Dann wäre ihm wohl auch ein Vers wie dieser nicht verborgen geblieben: „Kein einziger Mensch kann sich selbst aufgrund seiner eigenen Taten vor Gott gerecht machen. Denn das Gottesgesetz mach deutlich, was Sünde wirklich ist.“ (Römer 3, Vers 20).

So aber hatte der Vater der Lüge ein leichtes Spiel. Zehn teuflische Sekunden reichten aus.

In diesen zehn Sekunden schoss es ihm durch den Kopf und wanderte in sein Herz: „So muss ich sein, jetzt und hier, ohne Abstriche. Bin ich es nicht, bin ich verloren!“

„So muss ich sein, jetzt und hier!“. Mit diesem Anspruch, unter dieser Last beginnt er damit, seine Predigt zu formulieren. Und sie wird richtig gut. Geistreich, witzig und voller praktischer Beispiele. Eine Predigt, die man gerne hört.

Während er also die göttlichen Standards vor seiner Gemeinde verkündigt vermeidet er tunlichst jegliches Anzeichen einer eigenen Schwäche. Stattdessen garniert er seine Ausführungen immer wieder mit Berichten über sein erfolgreiches Gebetsleben, seine Nächsten- und Feindesliebe, seine Gastfreundschaft, sein soziales Engagement. Nicht ohne Wirkung auf seine Zuhörer.

Aufgrund dieser Predigt setzt sich in vielen Hörern der Eindruck fest: „Der hat es geschafft, der hat es erreicht. Der ist bereits da, wo wir erst noch hin müssen. Und wenn er das geschafft hat, dann können wir das auch. Dann ist ein Scheitern nicht vorgesehen. Dann gibt es nur Ganz oder Gar nicht.“

So wandert diese Lüge von Herz zu Herz, sie verbreitet sich wie ein Lauffeuer: „So muss ich sein, jetzt und hier, ohne Abstriche. Bin ich es nicht, bin ich verloren!“

Langsam aber stetig findet in der Gemeinde ein Klimawandel statt: aus einer Gemeinschaft der Sünder wird eine geistliche Elitetruppe. Immer mehr Geschwister spielen sich- und den anderen etwas vor. Man tut so, als wäre man schon angekommen.

Währenddessen ist unser Prediger zum viel gefragten Referenten geworden. Seine rhetorische Brillianz verbunden mit seinem siegreichen geistlichen Leben haben sich schnell in den frommen Kreisen herumgesprochen. Und so predigt er auf zahlreichen Konferenzen und bei diversen Großveranstaltungen.

Die Zeit wird knapper, die Ansprüche höher, der Druck immer größer. Also greift er schon mal zur Flasche, um sich zu beruhigen. Der Rausch hilft ihm dabei, von seinem sieghaften geistlichen Leben zu erzählen. Außerdem lügt er ja niemanden bewusst an. Er setzt halt nur an den geeigneten Stellen eine Betonung und lässt anderes aus. Den Rest machen seine Hörer. Die hören, was sie hören wollen. Was kann er dafür?

Der Absturz kommt dann plötzlich. Während einer Predigt kippt er einfach um. Liegt da vor der entsetzten Gemeinde und kommt nicht mehr hoch. Dann das Krankenhaus, die Entgiftung, die Klinik.

Anfangs rauscht es im christlichen Blätterwald. „Wie konnte so etwas nur passieren? Warum hat man das nicht viel früher gemerkt? Was hat er wohl falsch gemacht?“ Doch mit der Zeit gerät unser Verkündiger mehr und mehr in Vergessenheit. Für ihn ist das gut so. Er braucht jetzt Zeit, um sein Leben zu ordnen.

Und die Gemeinde?

Sie hätte die Chance, sich auf das zu besinnen, was wirklich trägt und hält: auf die göttliche Gnade. Doch leider gibt es da schon andere Verkündiger, die bei ihrem gescheiterten Vorgänger in die Lehre gegangen sind. Jahrelang haben sie unter seinen Predigten gesessen. Nach wie vor sind sie davon überzeugt: „So muss ich sein, jetzt und hier, ohne Abstriche. Bin ich es nicht, bin ich verloren!“

Und so setzt sich dieses teuflische Spiel fort. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Aufsteigen und Abstürzen. Bis heute.

Und das alles wegen zehn teuflischer Sekunden – vor langer, langer Zeit.

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Darum muss es Zweifel geben

Quelle: www.pixabay.com

Vor Jahren war ich auf einem Seminar für Verlobte. Da stand eine junge Frau auf und betonte: „Mein Verlobter und ich, wir haben uns in unserer einjährigen Verlobungszeit noch nie gestritten.“ Worauf der Referent besorgt antwortete: „Das tut mir Leid, denn dann habt Ihr ein ernsthaftes Problem!“

Und wenn mir heute jemand sagt: „Ich bin jetzt schon seit vielen Jahren Christ, habe aber noch niemals Zweifel gehabt“, dann würde ich ihm exakt dasselbe antworten: „Das tut mir Leid, denn dann hast Du ein ernsthaftes Problem!“

Den Wert der Gesundheit erkennst Du erst durch die Schmerzen der Krankheit.

Der Zauber des Lichts entfaltet sich nur in der Dunkelheit (einzigartig zu erleben im Gasometer Oberhausen).

Oder etwas profaner formuliert: Würde der FC Bayern in dieser Saison wieder Deutscher Fußballmeister werden, dann wäre das nichts Besonderes mehr. Sollte aber der VfL Bochum jemals Meister werden, dann wäre das eine (noch nie dagewesene) Sensation.

Unser Leben besteht aus zahlreichen Gegensätzen und ohne diese Gegensätze wäre alles gleich gültig und damit gleichgültig. Das Leben wäre so spannend wie eine Bundesstraße in Norddeutschland: keine Höhen und Tiefen, keine Kurven und als Aussicht gibt’s immer nur Felder, Felder und noch mal Felder. Auf einer solchen Straße kämpfst Du schon nach fünf Minuten gegen den Schlaf.

Darum gehören Zweifel zum Glauben dazu! Sie sind gewissermaßen der dunkle Hintergrund, vor dem sich der Glaube als ein einzigartiges Geschenk entfaltet.

In 2. Kor. 4, Vers 6 schreibt Paulus: „Gott, der sprach: >>Aus der Dunkelheit soll das Licht hervorleuchten!<<, der hat es in unseren Herzen hell werden lassen.“

Doch dieses Licht strahlt nicht immer gleichmäßig. Es gibt auch Zeiten, in denen sich die alte Dunkelheit im Herzen breit machen will.

So jedenfalls erlebe ich das:

„Du bist die Hilfe, die nie zu spät kommt“ ist eine Liedzeile, die ich bis heute nicht mitsinge. Denn ich kenne Menschen, für die jede Hilfe zu spät kam (zumindest aus meiner irdischen Perspektive, die ich nun einmal habe).

Manchmal frage ich mich mit Forrest Gump, ob ich vielleicht doch nur wie ein Blatt im Wind bin, das mal hierhin- mal dorthin gewirbelt wird. Vielleicht aber hat ja auch die Mutter von Forrest Gump recht, die immer gesagt hat: „Wenn Gott vor Dir eine Tür zuschlägt, dann macht er gleichzeitig eine andere für Dich auf“. Oder stimmt etwa beides gleichzeitig?

Ich kann Asaf gut verstehen, der in Psalm 73 betet: „Ich aber wäre fast zu Fall gekommen. Beinahe hätte ich den Boden unter den Füßen verloren. Denn ich habe die stolzen Menschen beneidet, als ich sah, wie gut es ihnen trotz ihrer Bosheit ging“ (Verse 2-3).

Und ich fühle mit Thomas mit, von dem es im Evangelium nach Johannes heißt: „Thomas war nicht dabei, als Jesus (als der Auferstandene) kam. Die übrigen Jünger erzählten ihm: >>Wir haben den Herrn gesehen!<< Doch er erwiderte: >>Das glaube ich nicht, es sei denn, ich sehe die Wunden von den Nägeln in seinen Händen, berühre sie mit meinen Fingern und lege meine Hand in die Wunde an seiner Seite.<< (Joh.20, 24-25).

Diese Zweifel sind nicht immer da. Aber von Zeit zu Zeit krabbeln sie aus ihren Verstecken, um mir zuzusetzen – je nachdem, was ich gerade erlebt habe.

Früher habe ich mich meiner Zweifel geschämt. „Als Christ darf man nicht zweifeln!“. Wörtlich gesagt hat das vielleicht niemand, aber ausgestrahlt haben das manche.

Heute weiß ich: Gerade vor dem Hintergrund meiner Zweifel wird das Geschenk des Glaubens umso wertvoller!

Ich glaube eben nicht, weil alles so eindeutig dafür spricht, dass ich gar nicht anders kann.

Sondern ich glaube trotz- und mit allen Fragen und Zweifeln, die neben allen Argumenten für den Glauben und allen positiven Glaubenserfahrungen eben auch da sind.

Es gibt Zeiten, in denen ich nur so strotze vor Glaubenskraft. Da wundere ich mich dann ernsthaft, warum es in dieser Welt überhaupt noch Atheisten oder Zweifler gibt.

Ich kenne aber auch andere Zeiten: Phasen, in denen mein Glaube stark ins Wanken gerät. Zeiten, in denen ich mit Gott ringe und doch nicht von ihm loskomme.

In solchen Zeiten halte ich mich an Asaf, der in Psalm 73 betet: „Dennoch bleibe ich stets bei Dir, denn Du hast meine rechte Hand gefasst“ (Vers 23).

Denn wie könnte ich jemals den Gott loslassen, der mich in seiner Liebe ergriffen hat?

Kurzum: Ohne Zweifel wäre der Glaube kein Vertrauen, sondern das eindeutige und zweifelsfreie Ergebnis einer empirischen Untersuchung. Einmal vorgelegt würde sie jeden überzeugen, der noch klar bei Verstand ist.

Aber in- und mit allen Zweifeln ist der Glaube ein Ergriffensein von dem, der mich durch seinen Geist ergriffen hat. Er ist ein einzigartiges, wunderbares, hell strahlendes Geschenk inmitten der Dunkelheit. (Dass der Glaube ein Geschenk ist, findet sich wörtlich in Philipper 1, Vers 29).

Zurück zu den Gegensätzen:

Die Freude braucht die Trauer, um Freude sein zu können.

Die Tatkraft braucht die Müdigkeit, um Tatkraft sein zu können.

Der Erfolg braucht zahlreiche Misserfolge, um noch gefeiert zu werden (wie beim VfL Bochum).

Und das Licht braucht die Finsternis, um strahlen zu können.

Genauso braucht der Glaube den Zweifel, um nicht zu einer Schlussfolgerung zu verkommen.

Darum muss es Zweifel geben!

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Der Greifreflex der Seele

Wenn Babys geboren werden, dann bringen sie einige Reflexe mit, die ihnen das Überleben sichern sollen. Zu diesen gehört neben dem Schlucken und Saugen auch der Greifreflex. Übt man etwas Druck auf ihre Handinnenfläche aus, so greifen ihre klitzekleinen Fingerchen zu und klammern sich fest.

Quelle: www.pixabay.com

Angesichts ihrer eigenen Schutzlosigkeit und Abhängigkeit bringen Neugeborene also die Fähigkeit mit, sich dort festzuklammern, wo es für sie Halt und Sicherheit gibt.

Ich bin fest davon überzeugt: Nicht nur unser Körper bringt solch einen Greifreflex mit, sondern auch unsere Seele.

Denn angesichts einer Vielzahl von unbeantworteten existentiellen Fragen sind wir in unserer Seele ebenso schutzlos und abhängig wie ein Baby, und seien wir auch noch so alt: „Was ist der Sinn meines Lebens? Hat das alles überhaupt einen Sinn? Bin ich ein Zufallsprodukt? Hat mein Leben ein Ziel? Wo finde ich ein tragendes Fundament angesichts von Schmerzen und Leiden? Was wird am Ende wirklich zählen? Was kommt nach dem Tod? Wie kann Schuld gesühnt werden? Und gibt es Vergebung für meine Schuld? Wer sagt uns eigentlich, was gut und richtig ist? Woher kommt das Böse in der Welt?“

Solche Fragen werden nicht immer ausgesprochen, aber sie sind da, treiben uns um, verunsichern und ängstigen. Und angesichts dieser Hilflosigkeit hat die Seele einen Greifreflex entwickelt. Sie klammert sich (oft unbewusst) an etwas fest, was ihr den erhofften Sinn und Halt geben soll.

Manchmal klammert sich unsere Seele an den Partner: „Du sollst der Sinn meines Lebens sein.“ Doch der Partner ist mit diesem Anspruch überfordert und erstickt darunter. Die Beziehung zerbricht.

Ein anderes Mal klammert sie sich an das gerade vorherrschende Schönheitsideal und an das Streben nach körperlicher Kraft, Fitness und Unversehrtheit. Das kann einige Jahre gut gehen. Doch es kommt die Zeit, in der sie die Erfahrung macht, dass Alter und Krankheit sich nicht aufhalten lassen.

In anderen Phasen unseres Lebens klammert sich die Seele an den Beifall und die Anerkennung anderer Menschen. Bis sie schließlich schmerzlich erkennen muss, dass Anerkennung nur ein Abglanz von dem ist, was Liebe zu geben vermag: Anerkennung erfährst du für das, was du tust. Liebe aber liebt dich, weil du bist!

Sehr gerne klammert sich unsere Seele an materiellen Besitz. Denn er vermittelt uns das Gefühl, abgesichert und versorgt zu sein. Und oft wird gerade dieser Klammergriff zu einem Krampf, der sich kaum noch lösen lässt. Menschen, die bereits viel haben, wollen immer noch mehr. Auf dem Sterbebett lassen sie dann alles zurück (sie vererben ihr Vermögen den Kindern, die sich wiederum daran klammern).

Christus hat diesen Greifreflex der Seele einmal so beschrieben (im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4, Vers 4): „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“

Das Irdische reicht ihm nicht, um zu leben. Reichtum und Besitz, körperliche Kraft und Fitness, Erfolg und Anerkennung – das alles kann seiner Seele nicht den erhofften Halt geben. Es stellt sich kein innerer Friede ein.

Woran aber soll sich die Seele klammern? Wen oder was könnte sie ergreifen? Wovon lebt denn der Mensch, wenn nicht „vom Brot alleine“?

Noch einmal Christus (in Mt.4, 4): „In Wirklichkeit ist er ganz abhängig davon, dass Gott sein lebendig machendes Wort ausspricht.“

Das größte und herrlichste Geschenk, das einem Menschen jemals widerfahren kann, ist nicht der Traumpartner, nicht der Nobelpreis, nicht der Lottogewinn und nicht einmal jahrelange körperliche Unversehrtheit (zweifelsohne ein hohes Gut).

Das größte und herrlichste Geschenk, das einem Menschen jemals widerfahren kann ist, vom Wort Gottes in der eigenen Seele berührt zu werden.

Gott berührt dich mit seinem Wort und deine Seele greift zu. Sie klammert sich an Christus, den Sohn Gottes: gestorben und auferstanden, um dich mit Gott zu versöhnen!

Versöhnt mit Gott kommt die Seele zur Ruhe. Verbunden mit Christus lösen sich die zahlreichen anderen Klammergriffe. Das Leben beginnt, sich mit Leben zu füllen! Eine nie gekannte innere Freiheit entsteht:

Freiheit von den unrealistischen Erwartungen an den Partner, Freiheit von der Anerkennung und den Beifall anderer Menschen, Freiheit vom Streben nach materiellem Besitz, Freiheit vom Ideal körperlicher Unversehrtheit, Freiheit von stofflichen und nichtstofflichen Süchten, Freiheit von Kontrollzwängen und der Illusion, das eigene Schicksal in der Hand zu halten.

Du wirst frei, um zu leben, frei um zu loben, frei um zu lieben!

Das Wort Gottes ist eine unvergleichliche einzigartige Kraft. Es führt hinein in eine Lebensdimension, die sich niemals verbraucht, die ewig hält und trägt.

Wen der Sohn Gottes frei macht, der ist wirklich frei!“ (Johannes 8, Vers 36)

Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird bis in die Ewigkeit hinein nie mehr von Durst gequält werden. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die immer weiter sprudelt, bis in das unbegrenzte, ewige Leben hinein.“ (Johannes 4, Vers 14)

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Mensch, wehr dich doch!

Über viele Jahre hinweg habe ich anderen Menschen gestattet, meine Grenzen zu verletzen und mir „auf die Füße zu treten“, ohne mich dagegen zu wehren oder wenigstens mal „autsch“ zu rufen. Ein kurioses Beispiel ist das folgende Erlebnis im Supermarkt. Ist schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch sehr gut daran:

Ich stand mit meinem Junior an der Kasse. Das heißt, nur ich stand. Der Kleine saß im Einkaufswagen und grabbelte an den Verpackungen herum. Mit einer Hand versuchte ich, meine Einkäufe auf das Band zu befördern und mit der anderen, meinen Sohn daran zu hindern, kleine Löcher in die Deckel der Joghurtbecher zu stoßen. Da fährt mir mein Hintermann in die Hacken. Ich schaue mich um und sehe einen kleinen etwas buckeligen Opi, dessen Augen mich anfunkeln. Aber er sagt nichts, keinen Ton. Also kümmere ich mich wieder um meine Einkäufe. Da passiert es ein zweites Mal. Schon wieder habe ich seinen Wagen in meinen Fersen, dieses Mal aber etwas heftiger. Erneut drehe ich mich um. Geht’s noch etwas langsamer, oder was?“ Da begreife ich plötzlich, dass mir der Alte absichtlich in die Hacken fährt. Meine erste Reaktion ist Wut: „Hör mal zu, du kleiner alter Scheißer. Wenn du mich noch einmal berührst, dann quetsche ich deinen faltigen Hintern in den Kindersitz deines Einkaufswagens und fahre mit dir zum nächstbesten Baggersee, um dich samt deinen Corega Tabs dort zu versenken!“ So ungefähr stelle ich mir meine Antwort vor. Doch die kommt nicht. Stattdessen schlucke ich meinen Ärger herunter und höre ich mich sagen: „Entschuldigung, ich mach ja schon so schnell, wie’s geht.“

Ist das zu fassen? Wo kommt so etwas her?

Ich will mich hier angemessen kurz fassen: Der Hintergrund eines solchen Verhaltens ist eine „abhängige Persönlichkeitsstruktur“. Aufgrund mangelnder Selbstannahme war ich ständig von der Annahme und Anerkennung anderer Menschen abhängig. Darum musste ich – wenn irgend möglich – jegliche Form eines Konfliktes vermeiden.

Nun birgt die jahrelange Ansammlung von Erniedrigungen allerdings ein großes Problem: Das Selbstwertgefühl tendiert gegen Null (als Puls wäre es nicht mehr messbar) und zugleich steigt der Pegel angestauter Aggressionen bedrohlich an. Wenn das Maß dann schließlich voll ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du explodierst und rastest aus, oder du implodierst und richtest deine Aggressionen gegen dich selbst. Typen wie ich wählen wohl eher den zweiten Weg (Gott sei Dank!). So wurde ich mit der Zeit immer depressiver und litt unter Ängsten und Panikattacken.

Erst in der Klinik habe ich begonnen zu begreifen, dass ich das Recht habe, mich abzugrenzen und zu schützen. Und ich habe erste vorsichtige Versuche unternommen, dies auch zu tun. Zehn Jahre sind seit dem vergangen und inzwischen habe ich eine Menge dazugelernt. Zwar bin ich auch heute noch kein Wunder an Selbstbehauptung, aber ich bin doch mehr und mehr in der Lage, für mich einzustehen und dafür auch Konflikte zu riskieren.

Und das fühlt sich richtig gut an! So gut, dass ich um nichts in der Welt mit meinem alten Harmoniebedürfnis tauschen wollte. Immer deutlicher bekomme ich jetzt ein individuelles Profil. Und das hat zur Folge, dass mich manche Leute mögen und andere wiederum nicht. „So what?“ Andersherum ist es ja genauso: Manche Menschen mag ich sehr, andere wiederum gehen mir gehörig auf den Zeiger und ich gehe ihnen lieber aus dem Weg. Das ist ganz normal.

Eine Anmerkung noch zum Schluss: In christlichen Kreisen werden ein krankmachendes Harmoniebedürfnis und mangelnde Konfliktfähigkeit leider oft als besonders geistlich gedeutet: als eine besondere Form von christlicher Demut. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Denn demütig kann nur der Mensch sein, der auch mutig ist. Aber dazu später mehr.

An dieser Stelle ist mir nur eins wichtig: Mensch, wehr dich doch! Fang an, dich ernst zu nehmen und mach dich nicht zum Fußabtreter anderer Leute. Sei es dir wert, Konflikte einzugehen und schütze deine einzigartige Persönlichkeit! Und wenn du alleine dazu nicht in der Lage bist, dann suche dir kompetente Hilfe! Das ist zwar kein einfacher Weg, aber einer, den du nie bereuen wirst.

Zur pdf dieses Textes geht es hier.

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