Outtakes, Teil I: Bad Herrenalb

Aus dem ursprünglichen Manuskript meines Buches habe ich einige Passagen gestrichen, da sie zum Verstehen meiner Biografie nicht zwingend notwendig waren und das Buch auch kürzer werden musste. Einige dieser Outtakes sind vielleicht aber dennoch interessant zu lesen. Darum hier zwei Erlebnisse aus meiner Zeit in der Klinik von Bad Herrenalb.

Einige Tage nach meiner Ankunft war ich auf dem Weg zu unserer Kerngruppe, als mir plötzlich schwindelig wurde. Zugleich fing mein Herz wie wild an zu rasen und ich bekam keine Luft mehr. Sofort stieg Panik in mir auf, was die Symptome leider nur noch verschlimmerte. Also lief ich nach draußen an die frische Luft. Dort habe ich mich dann in eine Ecke gekauert und hatte Todesangst. Ich dachte wirklich: „Jetzt ist es aus!“ Doch nach ein paar Minuten war ich immer noch am Leben und beruhigte mich langsam wieder. Deutlich verspätet kam ich dann in unserer Gruppe an und erzählte, was passiert war. Worauf mir Bernd, unser Therapeut erklärte, solche Panikattacken könnten im Laufe des therapeutischen Prozesses immer wieder mal vorkommen, sie seien aber nicht lebensbedrohlich. Am Besten sollte ich nicht versuchen, mich dagegen zu wehren, sondern mich darauf konzentrieren, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Das ganze würde dann von alleine wieder verschwinden. Ich war tierisch sauer auf Bernd. Vor allem darauf, dass er so tat, als sei so etwas völlig normal und weiter kein Grund zur Aufregung. Am liebsten hätte ich ihn angebrüllt: „Weißt du eigentlich wie beschissen sich das anfühlt? Ich habe gerade gedacht, ich krepiere. Und was machst du? Du sagst mir, ich soll mich nicht weiter aufregen. Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein!“ Stattdessen aber habe ich überhaupt nichts gemacht: Weder gebrüllt noch irgendeinen Kommentar abgegeben. Schließlich wollte ich ja keinen Ärger mit meinem Therapeuten, also habe ich meine Wut wieder einmal runter geschluckt. Erst später habe ich begriffen, dass er froh gewesen wäre, wenn ich ihn angemotzt hätte. Er hatte dies geradezu provoziert, um mich aus der Reserve zu locken. Solche Panikattacken blieben aber nicht das einzige seltsame Phänomen, womit ich fertig werden musste. Drei Wochen später wurde es noch viel verrückter und bedrohlicher, denn da habe ich mich komplett weggebeamt…

Quelle: schwarzwaelder-bote.de

Mir wurde klar: Nicht alleine den Menschen in meinem Umfeld galt es zu vertrauen, sondern ebenso mir selbst. Ich war ja längst nicht mehr das arme, kleine, verlassene Baby, das hilflos in seinem Bettchen liegt und schreit. Inzwischen war ich ohne jeden Zweifel ein erwachsener Mann geworden, der schon viel erlebt und manche Herausforderung gemeistert hatte. Ich war jemand und konnte etwas – ich musste nur endlich an mich glauben. Was mir fehlte, war das Vertrauen in meine eigenen Ressourcen und Fähigkeiten. Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr ärgerte ich mich über die zahlreichen vertanen Chancen in meinem Leben. Ich hatte kaum mal etwas gewagt und dementsprechend wenig gewonnen. Ich war der Typ, der immer auf Nummer sicher geht. Und das nervte mich inzwischen ganz gewaltig: „War es nicht höchste Zeit, mal wieder etwas ziemlich Abgefahrenes zu machen?“ Nur was? Nach ein paar Tagen kam ich schließlich darauf. Mein Zimmer lag im Erdgeschoss und hatte einen Balkon zur Straße hin. Die Hausfront der Klinik war mit seltsamen Steinen verziert, die innen ein Loch hatten. Hässlich, aber ideal, um daran hochzusteigen! Dieser Plan war die perfekte Mutprobe. Also habe ich am Abend Marcel aus dem fünften Stock angesprochen: „Pass mal auf, Marcel. Wenn es demnächst nachts an deine Balkontür klopft, dann krieg bitte keinen Herzinfarkt. Ich will unsere Hauswand hochklettern und irgendwo muss ich ja schließlich wieder rein, wenn ich oben bin.“ Dann kam die Nacht, in der ich wusste: „Jetzt oder nie!“ Als ich draußen an der Fassade hing und gerade am dritten Stockwerk angekommen war, spazierten unten doch tatsächlich Passanten vorbei. Und das nachts um 1.00 Uhr in so einem kleinen Kaff wie Bad Herrenalb. Da unsere Klinik sowieso schon als „Irrenhaus“ verschrien war, würden die vermutlich sofort die Feuerwehr alarmieren, wenn sie mich entdeckten. Aber das haben sie nicht. So kam ich schließlich ohne Probleme oben an, klopfte bei Marcel und war stolz wie Oskar, es geschafft zu haben. Ich war jemand und konnte etwas – wer oder was sollte mich jetzt noch aufhalten auf meinem Weg nach oben?

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Die Mär vom lieben Gott – eine Predigtreihe über den Zorn Gottes

Der „liebe Gott“ ist eine teuflische Erfindung.

Denn einen solchen Gott müssen wir nicht ehren und nicht fürchten.

Vor dem „lieben Gott“ müssen wir uns nicht verantworten, wir fallen nicht auf die Knie vor ihm.

Wenn Gott, der „liebe Gott“ ist, dann können wir einfach so bleiben, wie wir sind.

Und das mit dem Himmel, das kriegen wir dann schon irgendwie hin…

Eine Predigtreihe über den ZORN GOTTES, die mir selber schwer zu schaffen macht, die aber – so sehe ich das derzeit – dem biblischen Zeugnis entspricht:

Die Mär vom lieben Gott_Teil I_Gott ist ein heiliger Gott

Die Mär vom lieben Gott_Teil II_Gottes geheimnisvoller, leidenschaftlicher und eifersüchtiger Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil III_Gottes vernichtender Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil IV_Gottes richtender und begrenzter Zorn

Die Mär vom lieben Gott_Teil V_Gottesfurcht

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# 07 Immer rein damit?

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Psychopharmaka

Sie werden geschluckt ohne Ende und die Pharmaindustrie verdient mit ihnen Millionenbeträge: Psychopharmaka. Manche von ihnen sind wirklich ein Segen, sie bringen eine Linderung der Symptome, die sonst nicht möglich wäre. Andere wiederum verschlimmern die Lage des Patienten indem sie neue Symptome hervorrufen und seine Lebenssituation aufgrund der Nebenwirkungen deutlich verschlechtern. Was also sind diese Tabletten: Segen oder Fluch? Oder sind sie beides zugleich? Hier meine persönliche Auswertung aufgrund der Tabletten, die ich in den letzten Jahren geschluckt habe.

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# 06 Ehrlichkeit riskieren

Ist Ehrlichkeit in freikirchlichen Kreisen eine Selbstverständlichkeit? Wohl eher nicht, denn Gemeinschaften, in denen ein hoher Anspruch herrscht, fördern die Unehrlichkeit, das Fassadentum. Und so laufen viele von uns mit frommen Masken herum. In dieser Episode geht es darum, den Ursachen für frommes Fassadentum auf die Spur zu kommen und zugleich einen Weg aufzuzeigen, auf dem es gelingen kann, die Masken abzulegen.

Bevor Du Dir den Podcast anhörst, solltest Du Dir dieses fantastische Video anschauen, auf das ich gleich zu Anfang Bezug nehme:

„This is me!“

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# 05 „Sprung in der Schüssel“ – Vom Umgang mit psychischen Erkrankungen

Foto: Johannes Fenn – www.fennomenal.de

Wenn Du mit einem Knochenbruch im Krankenhaus liegst, dann bekommst Du in der Regel viel Besuch. Doch wenn Du mit einer Depression in der Psychiatrie hockst, dann besucht Dich kaum jemand! Woran liegt das? Warum ist es so schwer, mit psychisch erkrankten Menschen umzugehen? Wie sind diese Krankheitsbilder überhaupt zu verstehen und einzuordnen? Hier einige grundsätzliche Anmerkungen aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen…

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# 04 Gottes Sieg über Erstarrung und Verwesung

Was sollen wir tun, wenn unser Glaubensbekenntnis und unsere Erfahrung im Alltag wie eine Schere auseinanderklaffen? Müsste da nicht viel mehr Auferstehung in unser Leben, damit die Osterbotschaft glaubhaft wird?

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# 03 Vertrauen statt Kontrolle

Der Mensch geht doch insgeheim davon aus, die wesentlichen Elemente seines Lebens schon irgendwie unter Kontrolle zu haben. Doch stimmt das eigentlich? Haben wir diese Kontrolle wirklich? Und was wäre, wenn nicht?

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# 02 Die Überwindung der Scham

Wieso schämen wir uns eigentlich? Wozu gibt es die Scham und wie ist sie entstanden? Und wie ist sie zu bewerten? Ist Scham immer positiv oder gibt es sie auch in einer lebensvernichtenden Variante? Wie lässt sich falsche Scham überwinden?

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Mathe ist ein Rätsel

Aufgrund einiger Rückmeldungen habe ich das am stärksten verletzende Wort nun endlich aus diesem Text genommen und es durch eine weniger lieblose Formulierung ersetzt. Es bringt nichts, wenn man eigene Verletzungen dadurch aufarbeiten will, dass man nun selber damit anfängt, andere zu verletzen. So, wie es jetzt formuliert ist, passt es für mich. Denn immerhin handelt dieser Text von Menschen, die Trost gesucht haben – aber Belehrung fanden. Und das tut einfach verdammt weh. Insofern drücken diese Zeilen für mich das aus, was man empfindet, wenn man unmittelbar nach einer solchen Enttäuschung wieder nach Hause schleicht:

Mathe ist ein Rätsel - doch du bist auch nicht besser,
du Seelenfresser und Liebesvergesser.
Ich hab doch tatsächlich gedacht,
es macht dir was aus, wenn ich berichte,
meine Geschichte vom tobenden Sturm in der Seele,
wie ich mich quäle zum Licht und es doch verfehle.
Ich bin wie eine Quittung, die niemand mehr braucht,
zerknüllt und in den Matsch geworfen.
Die Seele gestaucht, den Sinn verloren,
verfluchend den Tag, an dem ich geboren.

Ich habe Halt gesucht, ein offenes Ohr,
ein fühlendes Herz - ist das denn so schwer?
Ich begehr ja nicht mehr, als dass du mich stützt,
nur für ein paar Stunden, bis das Grauen vergeht.
"Verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verlässt".
Und doch konnte ich nicht glauben, dass es nicht nützt,
zu hoffen, dass da einer ist, der versteht.

Du hast mich einfach fort geschoben,
mich verprügelt mit deinem besseren Wissen:
"Was jetzt zählt, ist die Tat: beflissen zu glauben
und sich nicht zu beschweren.
Der Teufel will dir die Hoffnung rauben,
dagegen musst du dich wehren.
Steh endlich auf, anstatt hier zu jammern,
reiß dich zusammen und fang an zu beten!"

Du hast meine Hoffnung mit Füßen getreten,
hast mich auf Abstand gehalten mit deiner Predigt:
ein frommer Spruch - und schon schien alles erledigt.
Vielleicht gehörst du zu denen, die ihr Heil verwalten
in Regalen voller klugen Sprüchen,
die nichts wissen von Rissen und Brüchen.
Wer selbst keinen Halt hat, der kann andre nicht halten!

Mathe ist ein Rätsel - doch Mathe kann man lernen.
Dich aber in deinen frommen Sphären
werde ich wohl nie verstehn.
Inzwischen weiß ich: Es war ein Fehler
bei dir Halt zu begehrn, denn du hast es nie gesehn,
das Grauen der Nacht.
Dir fehlt die Erfahrung, die barmherzig macht!

© Volker Halfmann
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