Kickers oder Kirche?

Das folgende „Wort zum Wochenende“ stammt – wie man unschwer erkennen kann – aus der vergangenen Zweitliga-Saison (ich hatte vergessen, es hier einzustellen). Inzwischen können die Kickers wieder siegen – aber das hat fast ein Jahr gedauert…

Man sagt, die großen Fußballstadien seien die „Kathedralen der Neuzeit“, da an jedem Wochenende Hunderttausende Fans in die Stadien pilgern, um ihrem Verein zu huldigen, während zugleich immer weniger Menschen regelmäßig in die Kirchen gehen, um den dreieinigen Gott anzubeten. Aber muss das zwingend eine Alternative sein: Kickers oder Kirche? Für mich ist es das nicht!

Als Kickers-Fan mit einer Stehplatz-Dauerkarte habe ich bislang noch kein einziges Heimspiel verpasst. Ehrlich gesagt war es nicht immer begeisternd, was ich da zu sehen bekommen habe. In der zweiten Liga werden die Spiele eben nicht durch Eleganz und Technik, sondern eher durch Kampfbereitschaft entschieden, und manchmal wird dann aus dem Kampf ein ziemlicher Krampf. Aber es waren auch echte Highlights dabei, allen voran das 3:0 gegen den großen VfB Stuttgart. Da habe ich mich auf der Tribüne mit wildfremden Menschen abgeklatscht und gemeinsam haben wir gesungen: „Oh, wie ist das schön…“.

Als Christ besuche ich an jedem Wochenende den Gottesdienst. Auch hier sind die Erfahrungen unterschiedlich. Manchmal empfinde ich den Gottesdienst als etwas zäh und verkrampft – was allerdings auch an meiner subjektiven Wahrnehmung oder an meiner eigenen Haltung liegen kann. Andere Gottesdienste wiederum sind echte Höhepunkte für mich: Da bete ich Gott von ganzem Herzen und mit ganzer Kraft an, da erlebe ich lebendige Gemeinschaft mit den Geschwistern, da werde ich durch das göttliche Wort getröstet, gestärkt, ermutigt oder auch ermahnt, wo es nötig ist. Da begegne ich Jesus Christus im Abendmahl und sein Heiliger Geist erfüllt mein Herz mit Freude und Dankbarkeit. Gestärkt gehe ich dann wieder in den Alltag zurück, in dem Bewusstsein: „Jesus ist bei mir – egal, was ich tue und wo ich auch bin: ER lässt mich nicht los.“

Kickers oder Kirche? Zum Glück muss ich mich ja nicht zwischen beiden entscheiden, aber müsste ich es, so würde ich die Kirche wählen.

Die Entwicklung der Würzburger Kickers ist ein Phänomen, das zurecht Begeisterung in der gesamten Region auslöst (zumindest bei allen Fußball-Interessierten). Und ich hoffe sehr, dass bis zum Ende der Saison die rettenden 40 Punkte noch erreicht werden. Aber Fußball ist und bleibt eine Nebensache.

Es sind eben nicht die Kickers, sondern Jesus Christus, der mein Leben segnet: Es ist Jesus, der mir meine Schuld vergibt, mich aus Abhängigkeiten befreit, mein Herz mit Liebe und Freude füllt, mich in dunklen Stunden festhält und der mir Trost, Kraft und Hoffnung schenkt – selbst über den Tod hinaus. Und so ist jedes Osterfest für mich ein ganz besonderes Highlight, denn Christus hat den Tod besiegt, ein für allemal. Jesus ist Sieger – über Hölle, Tod und Teufel und über jede Form von Erstarrung und Verwesung. Auch mich hat er in seiner Liebe heraus gezogen aus dem Sumpf meiner Selbstbezogenheit und Schuld . Das werde ich feiern – und wie!

In Psalm 26,8 heißt es: „Ich liebe das Haus, in dem du wohnst, wo du in deiner Herrlichkeit uns nahe bist.“ Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn schon ein Hauch der göttlichen Herrlichkeit im eigenen Leben ist erfüllender als alles, was die Welt an Herrlichkeiten zu bieten hat.

Sollten Sie ein Fußballfan sein, dann sehen wir uns vielleicht am Samstag auf dem Dallenberg: beim Heimspiel der Kickers gegen Dynamo Dresden. Noch schöner aber wäre es, wir würden uns auch einmal in einem Gottesdienst treffen. Wobei es nun wirklich nicht meine Kirche sein muss, die Sie besuchen. Ich hoffe nur, dass Sie es einmal ausprobieren, denn beides ist möglich: Kickers und Kirche!

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Darum muss es Zweifel geben

Vor Jahren war ich auf einem Seminar für Verlobte. Da stand eine junge Frau auf und betonte: „Mein Verlobter und ich, wir haben uns in unserer einjährigen Verlobungszeit noch nie gestritten.“ Worauf der Referent besorgt antwortete: „Das tut mir Leid, denn dann habt Ihr ein ernsthaftes Problem!“

Und wenn mir heute jemand sagt: „Ich bin jetzt schon seit vielen Jahren Christ, habe aber noch niemals Zweifel gehabt“, dann würde ich ihm exakt dasselbe antworten: „Das tut mir Leid, denn dann hast Du ein ernsthaftes Problem!“

Den Wert der Gesundheit erkennst Du erst durch die Schmerzen der Krankheit.

Der Zauber des Lichts entfaltet sich nur in der Dunkelheit (einzigartig zu erleben im Gasometer Oberhausen).

Oder etwas profaner formuliert: Würde der FC Bayern in dieser Saison wieder Deutscher Fußballmeister werden, dann wäre das nichts Besonderes mehr. Sollte aber der VfL Bochum jemals Meister werden, dann wäre das eine (noch nie dagewesene) Sensation.

Unser Leben besteht aus zahlreichen Gegensätzen und ohne diese Gegensätze wäre alles gleich gültig und damit gleichgültig. Das Leben wäre so spannend wie eine Bundesstraße in Norddeutschland: keine Höhen und Tiefen, keine Kurven und als Aussicht gibt’s immer nur Felder, Felder und noch mal Felder. Auf einer solchen Straße kämpfst Du schon nach fünf Minuten gegen den Schlaf.

Darum gehören Zweifel zum Glauben dazu! Sie sind gewissermaßen der dunkle Hintergrund, vor dem sich der Glaube als ein einzigartiges Geschenk entfaltet.

In 2. Kor. 4, Vers 6 schreibt Paulus: „Gott, der sprach: >>Aus der Dunkelheit soll das Licht hervorleuchten!<<, der hat es in unseren Herzen hell werden lassen.“

Doch dieses Licht strahlt nicht immer gleichmäßig. Es gibt auch Zeiten, in denen sich die alte Dunkelheit im Herzen breit machen will.

So jedenfalls erlebe ich das:

„Du bist die Hilfe, die nie zu spät kommt“ ist eine Liedzeile, die ich bis heute nicht mitsinge. Denn ich kenne Menschen, für die jede Hilfe zu spät kam (zumindest aus meiner irdischen Perspektive, die ich nun einmal habe).

Manchmal frage ich mich mit Forrest Gump, ob ich vielleicht doch nur wie ein Blatt im Wind bin, das mal hierhin- mal dorthin gewirbelt wird. Vielleicht aber hat ja auch die Mutter von Forrest Gump recht, die immer gesagt hat: „Wenn Gott vor Dir eine Tür zuschlägt, dann macht er gleichzeitig eine andere für Dich auf“. Oder stimmt etwa beides gleichzeitig?

Ich kann Asaf gut verstehen, der in Psalm 73 betet: „Ich aber wäre fast zu Fall gekommen. Beinahe hätte ich den Boden unter den Füßen verloren. Denn ich habe die stolzen Menschen beneidet, als ich sah, wie gut es ihnen trotz ihrer Bosheit ging“ (Verse 2-3).

Und ich fühle mit Thomas mit, von dem es im Evangelium nach Johannes heißt: „Thomas war nicht dabei, als Jesus (als der Auferstandene) kam. Die übrigen Jünger erzählten ihm: >>Wir haben den Herrn gesehen!<< Doch er erwiderte: >>Das glaube ich nicht, es sei denn, ich sehe die Wunden von den Nägeln in seinen Händen, berühre sie mit meinen Fingern und lege meine Hand in die Wunde an seiner Seite.<< (Joh.20, 24-25).

Diese Zweifel sind nicht immer da. Aber von Zeit zu Zeit krabbeln sie aus ihren Verstecken, um mir zuzusetzen – je nachdem, was ich gerade erlebt habe.

Früher habe ich mich meiner Zweifel geschämt. „Als Christ darf man nicht zweifeln!“. Wörtlich gesagt hat das vielleicht niemand, aber ausgestrahlt haben das manche.

Heute weiß ich: Gerade vor dem Hintergrund meiner Zweifel wird das Geschenk des Glaubens umso wertvoller!

Ich glaube eben nicht, weil alles so eindeutig dafür spricht, dass ich gar nicht anders kann.

Sondern ich glaube trotz- und mit allen Fragen und Zweifeln, die neben allen Argumenten für den Glauben und allen positiven Glaubenserfahrungen eben auch da sind.

Es gibt Zeiten, in denen ich nur so strotze vor Glaubenskraft. Da wundere ich mich dann ernsthaft, warum es in dieser Welt überhaupt noch Atheisten oder Zweifler gibt.

Ich kenne aber auch andere Zeiten: Phasen, in denen mein Glaube stark ins Wanken gerät. Zeiten, in denen ich mit Gott ringe und doch nicht von ihm loskomme.

In solchen Zeiten halte ich mich an Asaf, der in Psalm 73 betet: „Dennoch bleibe ich stets bei Dir, denn Du hast meine rechte Hand gefasst“ (Vers 23).

Denn wie könnte ich jemals den Gott loslassen, der mich in seiner Liebe ergriffen hat?

Kurzum: Ohne Zweifel wäre der Glaube kein Vertrauen, sondern das eindeutige und zweifelsfreie Ergebnis einer empirischen Untersuchung. Einmal vorgelegt würde sie jeden überzeugen, der noch klar bei Verstand ist.

Aber in- und mit allen Zweifeln ist der Glaube ein Ergriffensein von dem, der mich durch seinen Geist ergriffen hat. Er ist ein einzigartiges, wunderbares, hell strahlendes Geschenk inmitten der Dunkelheit. (Dass der Glaube ein Geschenk ist, findet sich wörtlich in Philipper 1, Vers 29).

Zurück zu den Gegensätzen:

Die Freude braucht die Trauer, um Freude sein zu können.

Die Tatkraft braucht die Müdigkeit, um Tatkraft sein zu können.

Der Erfolg braucht zahlreiche Misserfolge, um noch gefeiert zu werden (wie beim VfL Bochum).

Und das Licht braucht die Finsternis, um strahlen zu können.

Genauso braucht der Glaube den Zweifel, um nicht zu einer Schlussfolgerung zu verkommen.

Darum muss es Zweifel geben!

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Der Greifreflex der Seele

Wenn Babys geboren werden, dann bringen sie einige Reflexe mit, die ihnen das Überleben sichern sollen. Zu diesen gehört neben dem Schlucken und Saugen auch der Greifreflex. Übt man etwas Druck auf ihre Handinnenfläche aus, so greifen ihre klitzekleinen Fingerchen zu und klammern sich fest.

Angesichts ihrer eigenen Schutzlosigkeit und Abhängigkeit bringen Neugeborene also die Fähigkeit mit, sich dort festzuklammern, wo es für sie Halt und Sicherheit gibt.

Ich bin fest davon überzeugt: Nicht nur unser Körper bringt solch einen Greifreflex mit, sondern auch unsere Seele.

Denn angesichts einer Vielzahl von unbeantworteten existentiellen Fragen sind wir in unserer Seele ebenso schutzlos und abhängig wie ein Baby, und seien wir auch noch so alt: „Was ist der Sinn meines Lebens? Hat das alles überhaupt einen Sinn? Bin ich ein Zufallsprodukt? Hat mein Leben ein Ziel? Wo finde ich ein tragendes Fundament angesichts von Schmerzen und Leiden? Was wird am Ende wirklich zählen? Was kommt nach dem Tod? Wie kann Schuld gesühnt werden? Und gibt es Vergebung für meine Schuld? Wer sagt uns eigentlich, was gut und richtig ist? Woher kommt das Böse in der Welt?“

Solche Fragen werden nicht immer ausgesprochen, aber sie sind da, treiben uns um, verunsichern und ängstigen. Und angesichts dieser Hilflosigkeit hat die Seele einen Greifreflex entwickelt. Sie klammert sich (oft unbewusst) an etwas fest, was ihr den erhofften Sinn und Halt geben soll.

Manchmal klammert sich unsere Seele an den Partner: „Du sollst der Sinn meines Lebens sein.“ Doch der Partner ist mit diesem Anspruch überfordert und erstickt darunter. Die Beziehung zerbricht.

Ein anderes Mal klammert sie sich an das gerade vorherrschende Schönheitsideal und an das Streben nach körperlicher Kraft, Fitness und Unversehrtheit. Das kann einige Jahre gut gehen. Doch es kommt die Zeit, in der sie die Erfahrung macht, dass Alter und Krankheit sich nicht aufhalten lassen.

In anderen Phasen unseres Lebens klammert sich die Seele an den Beifall und die Anerkennung anderer Menschen. Bis sie schließlich schmerzlich erkennen muss, dass Anerkennung nur ein Abglanz von dem ist, was Liebe zu geben vermag: Anerkennung erfährst du für das, was du tust. Liebe aber liebt dich, weil du bist!

Sehr gerne klammert sich unsere Seele an materiellen Besitz. Denn er vermittelt uns das Gefühl, abgesichert und versorgt zu sein. Und oft wird gerade dieser Klammergriff zu einem Krampf, der sich kaum noch lösen lässt. Menschen, die bereits viel haben, wollen immer noch mehr. Auf dem Sterbebett lassen sie dann alles zurück (sie vererben ihr Vermögen den Kindern, die sich wiederum daran klammern).

Christus hat diesen Greifreflex der Seele einmal so beschrieben (im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4, Vers 4): „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“

Das Irdische reicht ihm nicht, um zu leben. Reichtum und Besitz, körperliche Kraft und Fitness, Erfolg und Anerkennung – das alles kann seiner Seele nicht den erhofften Halt geben. Es stellt sich kein innerer Friede ein.

Woran aber soll sich die Seele klammern? Wen oder was könnte sie ergreifen? Wovon lebt denn der Mensch, wenn nicht „vom Brot alleine“?

Noch einmal Christus (in Mt.4, 4): „In Wirklichkeit ist er ganz abhängig davon, dass Gott sein lebendig machendes Wort ausspricht.“

Das größte und herrlichste Geschenk, das einem Menschen jemals widerfahren kann, ist nicht der Traumpartner, nicht der Nobelpreis, nicht der Lottogewinn und nicht einmal jahrelange körperliche Unversehrtheit (zweifelsohne ein hohes Gut).

Das größte und herrlichste Geschenk, das einem Menschen jemals widerfahren kann ist, vom Wort Gottes in der eigenen Seele berührt zu werden.

Gott berührt dich mit seinem Wort und deine Seele greift zu. Sie klammert sich an Christus, den Sohn Gottes: gestorben und auferstanden, um dich mit Gott zu versöhnen!

Versöhnt mit Gott kommt die Seele zur Ruhe. Verbunden mit Christus lösen sich die zahlreichen anderen Klammergriffe. Das Leben beginnt, sich mit Leben zu füllen! Eine nie gekannte innere Freiheit entsteht:

Freiheit von den unrealistischen Erwartungen an den Partner, Freiheit von der Anerkennung und den Beifall anderer Menschen, Freiheit vom Streben nach materiellem Besitz, Freiheit vom Ideal körperlicher Unversehrtheit, Freiheit von stofflichen und nichtstofflichen Süchten, Freiheit von Kontrollzwängen und der Illusion, das eigene Schicksal in der Hand zu halten.

Du wirst frei, um zu leben, frei um zu loben, frei um zu lieben!

Das Wort Gottes ist eine unvergleichliche einzigartige Kraft. Es führt hinein in eine Lebensdimension, die sich niemals verbraucht, die ewig hält und trägt.

Wen der Sohn Gottes frei macht, der ist wirklich frei!“ (Johannes 8, Vers 36)

Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird bis in die Ewigkeit hinein nie mehr von Durst gequält werden. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die immer weiter sprudelt, bis in das unbegrenzte, ewige Leben hinein.“ (Johannes 4, Vers 14)

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Vergebung praktisch

Klar wollen Christen vergeben (die meisten jedenfalls).

Doch oft genug bleibt die Vergebung im Kopf stecken und dringt nicht durch bis ins Herz. Da beten Christen gemeinsam, reichen sich die Hände – und auf dem Weg nach Hause stellen sie fest, dass sie nach wie vor erfüllt sind von Groll und Bitterkeit.

Wie also kann die Vergebung das Herz erreichen? Wie geschieht Vergebung praktisch? Zwei Predigten zu Kolosser 3, 13:

Teil 1: Vergib dir selbst! Zur Predigt geht es hier…

Teil 2: Vergib deinen Schuldigern! Zur Predigt geht es hier…

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Nicht schon wieder Advent!

Predigt zu Offenbarung 1, 12-18

Als Kind war für mich die Adventszeit etwas ganz besonderes. Heute, als Erwachsener, ist sie für mich ein Graus: überfüllte Innenstädte, glühweinbeseelte Männer und „Last Christmas“ im Radio – entsetzlich!

Der christlichen Kirche geht es vielleicht ähnlich. Auch sie ist erwachsen geworden und hat nicht mehr so richtig Bock auf den Advent.

Aber was bedeutet „Advent“ denn eigentlich und wer ist es, auf den die Kirche wartet? Zur Predigt geht es hier…

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Brust raus und Kopf hoch!

Sieben schmerzvolle Wochen hatte ich auf diesen Termin gewartet. Nun endlich untersuchte mich ein Wirbelsäulen-Spezialist und Osteopath in Würzburg. Der Arzt nahm sich viel Zeit, schaute sich Wirbel für Wirbel an und kam schließlich zu dem Schluss: „Herr Halfmann, sie gehen zu gebeugt durch`s Leben.“. Also immer noch! Schon vor fünf Jahren, nach meiner damaligen Bandscheiben-OP , hatte ich diesen Hinweis in der Reha-Klinik erhalten: „Herr Halfmann: Brust raus und Kopf hoch!“. Und das, so dachte ich zumindest, hatte ich mir auch wirklich zu Herzen genommen.

Nun ist ja unsere äußere Körperhaltung sehr oft auch ein Spiegel einer inneren Haltung. Bei mir zumindest trifft dies zu. Lange Zeit bin ich innerlich gebückt durch das Leben gegangen, immer mit der Überzeugung: „Ich bin schlechter als die anderen“, oder um es mit den Worten der Transaktionsanalyse auszudrücken: „Ihr seid okay, ich bin nicht okay.“ Ein falsch verstandener Glaube hat diese Haltung noch unterstützt. Ich dachte damals, ich müsse mich klein machen, damit Gott groß werden kann.

Erst in den letzten Jahren habe ich erfahren, dass dies ein fürchterlicher Irrtum ist. Gott hat es nicht nötig, dass ich mich klein mache, ganz im Gegenteil: Es ist sein ausdrücklicher Wunsch und sein Ziel, dass ich mich mehr und mehr entwickle. Wie jeder irdische Vater, so freut sich auch mein Vater im Himmel daran, wenn seine Kinder mutig, stark und selbstbewusst werden. Was wäre das auch für ein lächerlicher Gott, der es nötig hätte, seine Kinder klein zu halten, um selber groß zu erscheinen?

In meinem Lieblingspsalm, Psalm 18, heißt es in den Versen 33 bis 36: „Er ist es, der mir Kraft zum Kämpfen gibt und einen geraden, gut gebahnten Weg. Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen steilen Gipfeln. Er bringt meinen Händen das Fechten bei und lehrt meine Arme, den Bogen zu spannen. Herr, du bist mein Schutz und meine Hilfe, du hältst mich mit deiner mächtigen Hand; dass du mir nahe bist, macht mich stark.“ Und eben diese Erfahrung habe ich in den letzten Jahren gemacht: Es ist Gottes starke Hand, die mir Halt gibt, es ist seine tiefe Liebe, die mir meinen Selbstwert vermittelt, es ist seine Gnade und Barmherzigkeit, die mir meine Würde zurück gibt und es ist sein Geist, der mir Kraft verleiht.

Je mehr ich mich diesem Gott anvertraue, der mir in Jesus Christus begegnet, umso mehr richte ich mich auf. Es ist SEINE Nähe, die mich stark macht!

„Brust raus und Kopf hoch!“ – das werde ich wohl weiter lernen müssen, nicht nur körperlich, sondern auch in meinem Herzen. Doch bin ich guten Mutes, dies auch zu tun. Denn Christus hat versprochen, mich niemals mehr loszulassen – also auch dann nicht, wenn ich mich wieder einmal klein mache und mich ängstlich verkriechen will. Auch dann hält er mich fest, ist spürbar da durch seinen Heiligen Geist. Von mir aus nennen Sie es Schwäche, aber so viel steht fest: Ohne die Gegenwart Gottes in meinem Leben wäre ich ein völlig verzweifelter und gebeugter Mensch. Umso mehr freue ich mich darauf, dass Jesus wiederkommt und ich einmal vor ihm stehen werde. Dann ist es ein für allemal vorbei mit der gebeugten Haltung.

Denn angesichts der vielen Katastrophen und Kriege in dieser Welt, die auch mir oft Angst machen, ruft Jesus seine Gemeinde auf, nicht zu verzweifeln. In Lukas 21, Vers 28 heißt es: „Wenn ihr die ersten Anzeichen von alldem bemerkt, dann richtet euch auf und erhebt freudig den Kopf: Bald werdet ihr gerettet!“ Wir haben also einen Herrn und Gott, der diese Welt in Händen hält und der kommen wird, um uns zu erlösen. Darum: „Brust raus und Kopf hoch! Gott macht uns nicht klein, er richtet uns auf!“

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