# 09 Wenn Lebensentwürfe zerbrechen

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Das Scheitern gehört gewissermaßen zu meiner Kernkompetenz – damit kenne ich mich sehr gut aus. Denn ich bin als vorbildlicher Christ, als hauptamtlicher Pastor, als Ehemann und Versorger meiner Familie krachend gescheitert. Alle meine Lebensträume sind an der Alkoholabhängigkeit und einer psychischen Erkrankung zerbrochen. Ich weiß wirklich, wie elend sich das Scheitern anfühlt. Dennoch fand ich es überhaupt nicht richtig, als ich zum ersten Mal angefragt wurde, über mein „Scheitern“ zu sprechen. Denn damals war ich noch voller Scham und hatte meinen Zusammenbruch noch nicht verarbeitet. Heute – zehn Jahre und einige Erfahrungen später – spreche ich gerne darüber. Denn ich bin der Überzeugung, dass unser Scheitern – so schmerzlich es auch ist – immer auch die Chance auf Veränderung und auf einen Neuanfang sein kann. Wenn man es denn richtig verarbeitet und nicht davor flieht.

Bitte sei nicht nett zu mir!

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bitte tu das nicht du musst nicht mit mir reden nicht diesen belanglosen scheiß und bitte nicht diesen blick ich habs versaut ich weiß ich hab zu viel gewollt hab die summe meines lebens auf dich gesetzt alles gewagt dich hat das kalt gelassen hab dich auch nie gefragt du kannst mich verachten mich bloßstellen in offene wunden fassen nur bitte bitte sei nicht nett zu mir ich würd mich ewig hassen ich brauche eine weile sammle teile klebe scherben der rest heilt mit der zeit nur eines könnte ich nie ertragen: dein mitleid © Volker Halfmann

Mein freiwillig gottloses Jahr

Erschienen in der Zeitschrift AUFATMEN (3/2014): Sechs Jahre danach_Titelbild.jpg „Es war der Artikel mit den meisten Leserreaktionen in unserer Geschichte: In „Mein freiwillig gottloses Jahr“ (A2/09) berichtete ein Hauptamtlicher anonym über seine Glaubens- und Lebenskrise und weckte mit seiner ehrlichen Schilderung enorme Anteilnahme und Wiedererkenn-Effekte. Heute, sechs Jahre später, schreibt Pastor Volker Halfmann nicht mehr anonym, sondern berichtet mit vollem Namen und in neuer Funktion, wie es weiterging. Ein Ausblick voll Mühe und Hoffnung.“ Zum Artikel geht es hier. Und hier der Artikel, der damals (2009) noch anonym veröffentlicht wurde: Mein freiwillig gottloses Jahr (AUFATMEN 2/09)